Ev.-Luth. Gemeindezentrum Mümmelmannsberg mit Kirche

Seit dem Bau unseres Stadtteils mit 19.000 Menschen ist die Kirche vor Ort. Hier sammeln sich Christinnen und Christen verschiedener Herkunft, um miteinander in Gottesdienst und Unterricht ihren Glauben zu stärken. Das tun wir nicht als Selbstzweck, sondern um uns als Gemeinde nachbarschaftlich für ein gutes Miteinander in unserem Stadtteil einzusetzen. Unser Gemeindezentrum steht allen Menschen im Stadtteil offen. Hier findet viel nachbarschaftliche Begegnung statt. Man kennt und man schätzt sich als Nachbar aus „Mümmel“. Gerade die Kirche als besonderer Ort des Gebets und der Besinnung ist hier wichtig, obwohl – oder weil? – sie keinen Turm hat.

Vielleicht kann man sagen, dass die Menschen, die sonntags sich im Gottesdienst versammeln, nicht „zur Kirche“ gehen, sondern sich „als Kirche“ treffen. Jedenfalls geht es herzlich und lebendig zu.

AKTUELLES


Informationen zur aktuellen Lage

Coronavirus (SARS-CoV-2)

Aus gegebenen Anlass bitten wir Sie um Verständnis…

Öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen bei denen es zu einer Begegnung von Menschen kommt, sowie Versammlungen, unabhängig von der Zahl der Teilnehmenden sind vom Gesetzgeber untersagt.

Es geht darum die Ansteckungsrate zu verlangsamen.

Unser Gemeindezentrum bleibt daher zunächst bis zum 30.04.2020 geschlossen.

Wir sind aber für Sie telefonisch und per E-Mail erreichbar.

Kontaktieren Sie uns möglichst in der Zeit von 9 – 12 Uhr.

Bleiben Sie gesund!


ANSTELLE DER PREDIGT

Passionszeit reloaded

26.03.2020

„Ein wunderbarer Tag heute – und noch ruhiger als so mancher Sonntag“, rief ich meinen Bekannten auf der anderen Straßenseite zu, denn Hundespaziergang geht ja noch. „Ja, und sehr schön so!“ – Ein winzig kleiner Virus macht solche Gespräche am Montagmorgen plötzlich möglich. Der Straßenlärm hat deutlich nachgelassen. Unter der Hand ist aus der jährlichen Passionszeit vor Ostern eine Zeit geworden, in der „sieben Wochen (oder auch mehr) ohne Business as usal“ gelebt werden muss. Doch dann eröffnen sich neue Welten, denn auf Karfreitag folgt Ostern und auf Ramadan das Zuckerfest.

Das Kirchenjahr mit seiner Fastenzeit vor Ostern war ein wenig aus dem allgemeinen Bewusstsein gerückt und vom Ramadan im öffentlichen Bewusstsein abgelöst. Es gab und gibt Gruppen von Menschen, die auch in Zeiten, wo das „Business as usal“ verläuft, sich herausziehen und fasten. Sie erinnern sich und andere so daran, dass zum Menschsein auch Phasen gehören, in denen man die Kontrolle verliert und Mächten und Gewalten ausgeliefert ist, die alles durcheinanderbringen. Diese Menschen trauen sich was und machen sich angreifbar, wenn alles scheinbar wie geschmiert läuft. Wir Christen hatten da nach meinem Eindruck in der Selbstdisziplin in den letzten Jahren und Jahrzehnten etwas nachgelassen. Uns fehlte der Mut eine widerständige Erinnerungskultur an solche unschönen Phasen aufrecht zu erhalten – aber Muslime haben diesen Gedanken wieder ins öffentliche Bewusstsein gebracht mit ihrem Ramadan, der stört, verstört und von Vielen als unverständlich abgelehnt wird. Dank und Respekt erst einmal dafür.

Und nun fasten wir gezwungenermaßen plötzlich alle. Ein kleiner Virus mit verstörender Wirkung. Die Passionszeit ist eine Leidenszeit. Krankheit wirft einen aus der Bahn, Menschen sterben und man kann nichts dagegen machen. Andere sind in wirklich systemrelevanten Berufen plötzlich in unmenschlicher Weise gefordert, wieder andere sind von einem Tag auf den anderen aus florierenden Wirtschaftsbetrieben plötzlich in ihrer Existenz bedroht, in Kirchen sind ausfallende Gottesdienste mit einem Mal das Selbstverständlichste von der Welt und Macher finden sich in Quarantäne wieder.

Wir erleben eine Unterbrechung des Laufs der Welt, die man sich vorher kaum vorstellen konnte. Und Einige sind immer noch nicht bereit, sich darauf einzulassen. Wie schwer es ist, einmal nichts zu tun! Wie ungewohnt es ist vom normalen Leben zu fasten und den Kontrollverlust zu ertragen! Wie beängstigend manche Folgen dieses Virus sind! Und auf der anderen Seite: was auf einmal alles möglich ist! Milliarden-Subventionspakte werden geschnürt. Plötzlich ist völlig klar, dass Menschen ein menschenwürdiges Auskommen haben müssen, das ihren Lebensstandard sichert – Ist das womöglich der Einstieg in ein überfälliges bedingungsloses Grundeinkommen? Immerhin kann man ja jetzt sehen, dass die Menschen sich nicht auf die faule Haut legen, sondern sich eine Kreativität entwickelt, die Hausgemeinschaften, Nachbarschaften, ja Stadtgemeinschaften sich völlig neu organisieren lässt! Es schlägt die Stunde der Kreativen und Künstler, die im selben Moment oft finanziell vor dem Nichts stehen.

Es ist jetzt noch überhaupt nicht abzusehen, was uns diese Krise bringen wird. Aber eines können wir mitnehmen aus der Zeit vor Corona. Ich meine das bereits vor langer Zeit festgelegte Motto der Evangelischen Kirche für die Passionszeit vor Ostern in diesem Jahr. Sie schlug nämlich vor, diese sieben Wochen ohne Pessimismus zu verbringen. Und dafür gibt es jede Menge Anzeichen, dass das ein gutes Motto ist. Heute vormittag habe ich z.B. einen Vater mit seinem Kind spielen sehen. Und da ist mir aufgefallen, dass ich so etwas auch schon lange nicht mehr gesehen hatte.

Ihr Pastor Thieme