Wochenblatt Nr. 35 – 28 August 2008

Wann passiert etwas mit dem alten Einkaufszentrum?

Mümmelmannsberger sind verärgert

Das alte Einkaufszentrum in Mümmelmannsberg und die rund 300 Wohnungen in den umliegenden Hochhäusern verkommen immer mehr. Die Hausbewohner sind verärgert, dass sie zwar die relativ hohen Mieten zahlen müssen, aber die notwendigen Renovierungen nicht oder immer nur dann vorgenommen werden, wenn sich Rechtsanwälte und Gerichte einschalten. Doch eine Lösung der Probleme, so scheint es jedenfalls, ist nicht in Sicht.

Mümmelmannsberg hat in den letzten Jahren viel getan, um sein Image aufzubessern und die Wohnqualität zu erhöhen. Doch es gibt einen wunden Punkt in dem Stadtteil, der Bemühungen immer wieder zunichte macht – das alte Einkaufszentrum am Havighorster Redder und die rund 300 dazugehörenden Wohnungen. Seit Jahren verkommt das alte Einkaufszentrum immer mehr – große Ladenflächen stehen leer und die Bausubstanz verfällt immer weiter. „Das Zentrum ist wie ein Stachel im Fleisch des Stadtteils“ sagt Bezirksamtsleiter Markus Schreiber. Doch eine Lösung hat er auch nicht parat. Denn im Moment gibt es keinen richtigen Eigentümer. Im November soll nun ein weiterer Versuch unternommen werden, das gesamte Areal zu versteigern. „Erst wenn es einen neuen Besitzer gibt, können wir uns mit ihm zusammensetzen und gemeinsam planen, was aus den Häusern und Geschäften werden soll“ so ein Sprecher des Bezirksamtes Hamburg-Mitte. Wie das Einkaufszentrum aussieht, davon kann sich jeder bei einem Rundgang selbst überzeugen. Doch wie sieht es in den Wohnungen aus? Peter Siebein, der hier seit 1991 wohnt, hat das Wochenblatt eingeladen, sich in seiner 38 Quadratmeter großen Wohnung umzusehen. Zwar wurden in der letzten Zeit seine Küchenmöbel erneuert. Aber nur deshalb, weil er jahrelang mit allen legalen Mitteln darum gekämpft hat. Die Möbel in der kleinen Kochnische wurden zwar ersetzt, nicht aber die Fliesen und der Fußbodenbelag. Auch nachdem seine Wohnungstür aufgebrochen war, musste Sieben sehr lange warten und immer wieder Briefe schreiben bis endlich das Schloss ausgetauscht und die Zarge repariert wurden. Doch das Bad, der Fußboden, die Fensterscheiben und der Balkon – alles sieht schlimm verwohnt aus. Allein in dieser Wohnung müssten einige tausend EURO vom Vermieter investiert werden. „Wir müssen Jahr für Jahr immer höhere Mieten zahlen, doch es wird dafür immer weniger für uns getan. Die Besitzer aus den letzten Jahren haben unser Geld dazu benutzt, um ihre eigenen Prestigeobjekte damit zu finanzieren“, sagte er verbittert. Zwar schreibt der Rentner, den es aus Liebe nach Hamburg verschlagen hat, pausenlos Briefe an Gerichte und Rechtsanwälte, doch so richtig geholfen hat das nur ausnahmsweise. Nicht nur in den Wohnungen, auch in den Treppenhäusern sieht es- vorsichtig ausgedrückt – schlimm aus. Wie Peter Siebein dem Wochenblatt sagte, wurde sein Treppenhaus Havighorster Redder 39 zuletzt vor 15 Jahren, also 1993, gestrichen. Inzwischen haben sich hier einige Graffitisprayer „verewigt“. Deutlich zu sehen sind unter anderem auch große Hakenkreuze. Doch all das scheint keinen Verantwortlichen hier zu interessieren. „Wir Mieter sind die Dummen und müssen alles ausbaden“ –so Siebein. So wie Peter Siebein wünschen sich wohl alle Bewohner in Mümmelmannsberg, dass hier etwas geschieht. Und zwar schnell. Für einen Besitzer oder Investor allein ist das kaum zu schaffen. Hier müssen alle mithelfen. Und an dieser Aufgabe wird sich neben der Stadt auch die SAGA-GWG beteiligen müssen. Geschieht hier weiterhin nichts, dann dürften die Folgen in den nächsten Jahren verheerend sein.