Bundesschluss

für grenzüberschreitende Partnerschaft

In der Ev.-Lutherischen Kirchengemeinde Kirche in Steinbek gibt es seit vielen Jahren eine lebendige Bundesschlussarbeit mit Gemeinden und Einrichtungen in Südafrika. Eine engagierte Gruppe von Gemeindegliedern organisiert Spendenaktionen und Begegnungen. So gab es im Jahr 2006 eine Reise nach Südafrika. Und in Jahr 2007 wurde dieser Besuch erwiedert.

Bundesschluss Blog

Freitag, 30. November 2007 - 09:53 Uhr
Besuch aus Südafrika

„Als Erstes werde ich meiner Familie zu Hause erzählen, dass wir in Deutschland im Haus einer weißen Familie zu Gast waren, in ihrem Esszimmer bewirtet wurden und ihr Badezimmer benutzen durften. Sie werden es mir bestimmt nicht glauben. Denn das ist auch heute noch, 14 Jahre nach dem Ende der Apartheid, bei uns in Kwa-Zulu-Natal undenkbar“, sagte Nomusa Myaka aus Ekuvukeni bei der Auswertungsrunde am Ende des dreiwöchigen Aufenthalts in Oststeinbek.

„Den tiefsten Eindruck, den ich aus Deutschland mitnehme, ist die große Freundschaft, die uns hier entgegengebracht wurde. In Südafrika dachte ich früher, alle weißen Menschen sind schlecht, weil sie uns unser Land weggenommen haben und unsere Häuser zerstört haben. Aber von Euch haben wir große moralische Unterstützung gegen das Apartheidregime bekommen und auch ganz praktische Unterstützung, um unsere Schulen und Kindergärten wieder aufzubauen. Dafür sind wir sehr dankbar und das werden wir nicht vergessen“, sagte Moses Mazibuko aus Roosboom.

Mit einem Zuschuss des Ausschusses für kirchliche Weltdienste konnte die Kirche in Steinbek drei Vertreter aus den zwangsumgesiedelten Bundesschlusspartnergemeinschaften in Roosboom und Ekuvukeni zu einem Besuch nach Deutschland einladen. Im täglichen Zusammensein erfuhren wir vieles über das Leben und die jüngsten Entwicklungen in Südafrika und lernten Deutschland mit anderen Augen sehen.

Zu Beginn empfing uns Bürgervorsteher Gerhard Bülow im Oststeinbeker Rathaus, der selbst schon zu Besuch in Ekuvukeni war. Bei einem Seminar über gesunde Ernährung und ökologischen Gartenanbau besuchten wir den Gärtnerhof am Stüffel in Hamburg Volksdorf. Nachdem er die Gummistiefel angezogen hatte, begann Moses Mazibuko gleich mit dem Gummistiefeltanz, der uns an das Schuhplattlern erinnerte. „Den Gummistiefeltanz können bei uns fast alle, die einmal in einem Wohnheim gewohnt haben, wo die Menschen fast nichts besitzen. Der Tanz ist vor allem bei den Minenarbeitern sehr beliebt, die in den Hostels der Minen wohnen. Ich habe den Gummistiefeltanz im Schülerheim gelernt, denn ich bin 150 km von meinem Elternhaus entfernt zur Schule gegangen.“
Karin Scheewe führte uns durch die Gewächshäuser und über die Gemüsefelder. „Im ökologischen Landbau betrachten wir den Boden nicht als eine Resource, die man verbrauchen kann – oder nur als eine Schicht, deren chemische Zusammensetzung beachtet werden müsste. Für uns ist der Boden ein lebendiger Organismus. Dass wir ihm nicht nur Stoffe entnehmen können sondern auch zurückgeben müssen, ist ja klar. Aber wir achten auch darauf, dass wir dem Boden gesunde Lebensbedingungen bieten. Wenn Sie mit der Hand durch die Erde fahren, werden Sie es spüren: Die Erde lebt – mit Keimen, Käfern und Regenwürmern.“ „Ich werde versuchen, ob Mangold auch bei uns wächst“, sagte Lawrence Nxumalo aus Lusitania.

„Bei dem Gärtnerhof standen mir den ganzen Nachmittag die Tränen in den Augen“, sagte Moses Mazibuko. „Es war genauso wie auf den Gemüsefeldern meines Vaters in Roosboom. Die Felder neben der Schule in Enhlonhlweni gehörten ihm, bis wir 1976 vertrieben und nach Ezakheni umgesiedelt wurden. Nach langen Verhandlungen habe ich das Land inzwischen zwar zurück bekommen. Aber als Schulleiter habe ich einfach nicht die Zeit und das Geld, den Gemüseanbau wieder aufzubauen. Die Zwangsumsiedlung hat unsere Familie um fünfzig Jahre zurückgeworfen. Doch jetzt haben wir für Roosboom 7,5 Millionen Rand (ca. 1 Mio. Euro) für Infrastrukturmaßnahmen von der Regierung bekommen. Damit konnten wir eine Wasserversorgung und Schulen bauen und die Flussdurchfahrten betonieren, die bei Regenfällen schnell unpassierbar werden. Die Entwicklungen machen uns Mut, auch wenn es viele Rückschläge gibt. Am meisten Sorgen bereitet uns die Ausbreitung von AIDS. Davon sind inzwischen sehr viele Familien betroffen.“ Karlfried Kannenberg

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