Reformkurs - Memorandum

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„Das Kirchenvolk wurde nicht gefragt“

7.2.2008 - Kiel/Lübeck (nez). Setzt sich die Kirchenleitung bei der anstehenden Reform der Nordelbischen Kirche leichtfertig über die Bedenken von Kirchenmitgliedern hinweg? Das jedenfalls kritisieren der Lübecker Unternehmer Christian Dräger und weitere acht ehemalige kirchliche Würdenträger in einem Papier zum derzeitigen Umbruch der Nordelbischen Kirche.

Die Unterzeichner, zu denen auch Lübecks Alt-Bischof Karl Ludwig Kohlwage gehört, hatten bereits im vergangenen Jahr einen Appell an die Kirchenleitung gerichtet, die Reformen angesichts der möglichen Fusion zur Nordkirche zu überdenken. Eine Bereitschaft, die vorgetragene Kritik ehrlich und konstruktiv zu bearbeiten, sei trotz eines inzwischen erfolgten Treffens nicht erkennbar, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Papier.

Unternehmer Dräger vermisst vor allem eine breitere Beteiligung der Kirchenbasis. „In meiner Gemeinde wissen viele nicht einmal, dass sie bald zu einem neuen Kirchenkreis gehören“, so der langjährige Firmenchef des Drägerwerks. Darin zeige sich einer der grundlegenden Fehler der Reformen, mit denen sich Nordelbien auf den prognostizierten Mitgliederschwund in den kommenden Jahrzehnten vorbereiten will. Ähnlich sei es bei den Planungen zur Nordkirche: „Das Kirchenvolk wurde nicht gefragt. Aber man muss die Basis mit einbeziehen“, urteilt Dräger mit Verweis auf Erfahrungen aus seiner eigenen Unternehmertätigkeit. „Wenn ich etwas verändere und nicht mit den Mitarbeitern rede, dann werden sie unzufrieden. Blanke Zahlen oder Statistiken sagen mir nichts darüber, wie es den Menschen geht.“

Bedenken gegenüber den aktuellen Verhandlungen zur Bildung einer Nordkirche äußerte indes auch die Mitarbeitervertretung des Kieler Kirchenamts. Dort stoßen die Pläne einer möglichen Verlegung des Verwaltungssitzes nach Lübeck, Hamburg oder Schwerin auf Unverständnis. Mitarbeiter müssten längere Arbeitswege in Kauf nehmen oder umziehen. Damit widerspreche die Kirche der eigenen gesellschaftlichen Forderung nach einem höheren Stellenwert von Kindern und Familie. Zudem koste die Verlegung Kirchensteuermittel, die in den Kirchengemeinden dringend benötigt würden. (Quelle: Nordelbische)

Aus dem Memorandum

Folgende Fehler nennen die Unterzeichner des Memorandums:
Hauptpastor a.D. Helge Adolphsen, Hamburg
Kirchenamtspräsident a.D. Prof. Dr. Klaus Blaschke, Kiel
Dr. Christian Dräger, ehem. Mitglied der NE-Synode, Lübeck
Synodenpräsident a.D. Dr. Hans-R. Dräger, Kiel
Propst a.D. Dr. Niels Hasselmann, Lübeck
Minister a.D. Heiko Hoffmann, ehem. Mitglied der Kirchenleitung, Bad Schwartau
Propst a.D. Manfred Kamper, Husum
Bischof a.D. Karl Ludwig Kohlwage, Lübeck

Fehler Nr. 1

Die Betroffenen nicht zu Beteiligten gemacht zu haben. Der Aufwand dafür ist oft nicht klein wird aber dreimal kompensiert durch die Erleichterung der Durchsetzung.

Fehler Nr. 2
Wenn es Organisationsänderungen waren, die nicht Teilbereiche, sondern das ganze Unternehmen betrafen, dann zwei verschiedene Vorhaben gleichzeitig haben zu wollen, oder unabgestimmt hintereinander, so etwas ging immer schief. Die Motivation, sich mit einer Änderung anzufreunden, wenn man weiß, es kommt sowieso bald eine andere, ist gleich null. Wahrscheinlich ist das natürliche menschliche Verhalten gegenüber Veränderung dafür ursächlich.

Fehler Nr. 3
Vor, bei und nach irgendwelchen Entscheidungen und Beschlüssen gegenüber kritischen Stimmen, sich die Ohren zu verstopfen bzw. dafür zu sorgen, daß sie gar nicht erst laut werden, ein sicheres Mittel, ein Scheitern vorzuprogrammieren.

Fehler Nr. 4 (der schlimmste)
Einen Beschluss als unumstößlichen Abschluss aller relevanten Überlegungen anzusehen, ohne Rücksicht darauf, dass inzwischen sich neue Einsichten ergeben haben oder die Ausganglage sich durchaus verändert hatte. Dieser letzte schlimmste Fehler ist offenbar ein sehr verbreiteter. Babara Tuchmann hat in ihrem epochalen Werk über die Entstehung des ersten Weltkrieges (August 1914) die Weigerung des Generalstabchefs Moltke, die Aufmarschpläne zu ändern, um so die Chance einer britischen Neutralität offen zu halten, so kommentiert „…und nun schloss Moltke mit jener stehenden Redensart, die jedem bedeutenden deutschem Irrtum zugrunde liegt… Jener Redensart, die unausweichlich immer dann erklingt, wenn … Planung die Politik diktiert: „Und da es nun einmal so beschlossen ist, kann es nicht mehr geändert werden.„ (Hier finden Sie den ganzen Text im PDF Format [154 KB] )

Reformprozeß - NEK Synode
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+) Ev.-Luth. Kirchengemeinde Kirche in Steinbek
Kirchsteinbek - Mümmelmannsberg - Oststeinbek
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