Nordelbien Fusion kommt
Kurs Nordkirche - trotz deutlicher Kritik am Tempo
Der Vertrag mit den Ost-Kirchen soll im September besiegelt werden. Streit um Kirchensitz.
Von Ulf B. Christen Rendsburg - In der nordelbischen Synode (Schleswig-Holstein, Hamburg) gab es am Wochenende in Rendsburg erstmals deutliche Kritik an der geplanten Fusion mit den Kirchen in Mecklenburg und Pommern. Umstritten blieb auch der Sitz einer Nordkirche. Lübeck und Kiel liegen vorn, gefolgt von Hamburg und mit Abstand Schwerin.
Im Zentrum der Debatte stand der ehrgeizige Zeitplan für die Nordkirche, die schon im Herbst beschlossen werden und 2011 stehen soll. "Ich bitte alle, das atemberaubende Tempo zu reduzieren", sagte Pastor Holger Asmussen aus Nieblum/Föhr. Nordelbien setze bisher "wie in einem Rausch" auf die Nordkirche. Auch andere Synodale forderten, die Entscheidung über eine Fusion zu vertagen.
Die Kirchenleitung, an der Spitze der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth, beharrte auf dem Zeitplan. Rückendeckung bekam er vom Präses der pommerschen Synode, Rainer Dally, und Synodalen wie Pastor Lars Emersleben aus Hollingstedt: "Die Geschwindigkeit bei einer Reise ist nur ein Problem, wenn man das Ziel nicht erreichen will." Dafür gab es in der Synode viel Beifall. "Eine klare Mehrheit steht weiter auf dem Gaspedal", so Synodenpräsident Hans-Peter Strenge. Mehr als ein Etappensieg ist das allerdings nicht. Zum einen muss die Fusion im September in der Synode von einer Zweidrittelmehrheit besiegelt werden. Zudem sind noch so viele Streitpunkte zu klären, dass die Stimmung umschlagen könnte.
Einen Vorgeschmack lieferte die Debatte um die Nordkirchen-Zentrale. In Holstein und Teilen Hamburgs wird Lübeck als Sitz des Landesbischofs und des Kirchenamts favorisiert. Das Amt sitzt bisher in Kiel, und die Mitarbeiter wollen nicht umziehen. Bernt Strenge, Synodaler aus Hamburg, favorisiert ein anderes Modell: die Nordkirche zunächst in Kiel ansiedeln und später nach Hamburg verlegen - "in die Hauptstadt eines künftigen Nordstaates". (Quelle: Hamburger Abendblatt erschienen am 11. Februar 2008)