Kritische Töne der Basis zur "Nordkirche"

Debatte um Zeitdruck, Kosten und Standort Lübeck

Rendsburg (epd). Das hohe Tempo der Fusion zur "Nordkirche" stößt an der Basis nach wie vor auf Kritik. Knapp 200 Vertreter der Gemeinden und Kirchenkreise waren am Donnerstagabend nach Rendsburg zur ersten Info-Veranstaltung der nordelbischen Kirchenleitung gekommen. Einige Vertreter der Kirchenleitung sprachen sich dafür aus, den Fusionsvertrag zwischen den Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern um ein halbes Jahr auf das Frühjahr 2009 zu verschieben.

Der Hamburger Propst Johann Hinrich Claussen kritisierte, dass Lübeck als Standort für das Kirchenamt und den Leitenden Bischof gewählt wurde. Die Kirche der Zukunft müsse sich in der Großstadt bewähren. Die Entscheidung sei aus einem "anti-urbanen Affekt" gegen Hamburg getroffen worden. Nach den Worten der Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter wird die Nordkirche ländlich geprägt sein. Lübeck sei deshalb als Verbindung von Stadt und Land ein geeignetes Zentrum.

Gemeindepastorin Friederike Schwetasch aus Kirchbarkau (Kreis Plön) kritisierte das hohe Tempo der Fusion. "Mir schwindelt vor dem Ergebnis." Damit die Kirchen zusammenwachsen, sei ein Zeitraum von 15 bis 20 Jahren notwendig. Synodenpräsident Hans-Peter Strenge verteidigte den Zeitplan. Nach dem Grundsatzbeschluss zur Fusion bleibe bis zur Kirchengründung 2012 noch viel Zeit, um wichtige Fragen zu klären.

Finanzdezernent Wichard von Heyden sicherte zu, dass die Kirchenkreise nicht mehr als fünf Prozent ihrer Einnahmen für die Nordkirche abgeben müssen. Voraussetzung sei aber, dass die Staatsleistungen von Mecklenburg-Vorpommern, die höher als die Kirchensteuer-Einnahmen sind, erhalten bleiben. Von Heyden: "Die Hoffnung ist groß." Auch müsse der Ost-West-Ausgleich innerhalb der evangelischen Landeskirchen bestehen bleiben, obwohl es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt. So zahlt Nordelbien derzeit 12 Millionen an die EKD, während Mecklenburg und Pommern zusammen mehr als 17 Millionen Euro erhalten.

Offen ist noch die Beteiligung der beiden Ost-Kirchen an der Wahl des neuen Leitenden Bischofs im nächsten Jahr. Gewählt wird er zwar für die Nordelbische Kirche, doch bleibt er nach bisherigen Stand Leitender Bischof der Nordkirche. Auch das Arbeitsrecht ist noch unklar. Nach wie vor lehnen Mecklenburg und Pommern das Tarifrecht in Nordelbien ab.

Trotz aller Kritik an einzelnen Entscheidung gebe es eine breite Zustimmung für die Nordkirche, sagte Propst Gerhard Ulrich (Kappeln), Mitglied der Kirchenleitung, am Ende der Debatte. Nach den Worten von Kirchenleitungsmitglied Friedrich August Bonde sollte die "Begeisterung" genutzt werden, um eine Vision für die neue Nordkirche weiter zu entwickeln. (9.5.08/tm) (epd)

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