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Nordkirche Blog
Donnerstag, 2. April 2009 - 12:54 Uhr
Nordkirche: Alt-Bischof Kohlwage kritisiert Kirchenleitung
Lübeck (epd). Der Lübecker Alt-Bischof Karl-Ludwig Kohlwage (75) hat den Entscheidungsprozess zur Nordkirche auf der jüngsten Tagung der nordelbischen Synode kritisiert. Die Art und Weise, mit der die Kirchenleitung diese Entscheidung eingefordert habe, sei für ihn befremdlich, so der evangelische Theologe in der Mittwochsausgabe (1. April 2009) der "Lübecker Nachrichten". Kohlwage: "Diese Friss-Vogel-oder-stirb-Methode kenne ich aus meiner aktivenZeit nicht."
Kohlwage war bis Ende März 2001 Bischof von Holstein-Lübeck und zugleich Vorsitzender der nordelbischen Kirchenleitung. Seine Kritik bezieht sich auf die Rendsburger Synodentagung vom vergangenen Wochenende. In erster Lesung stimmten von 131 anwesenden Synodenmitgliedern 77 mit "Ja" und 51 mit "Nein". Nach intensiver Diskussion und Appellen kam dann nach der zweiten Lesung die notwendige Zweidrittel-Mehrheit doch zusammen. Für den Fusionsvertrag stimmten 102 Synodale bei 26 Nein-Stimmen.
In den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern soll bis 2012 die fünftgrößte deutsche Landeskirche mit rund 2,4 Millionen Mitgliedern entstehen.
(Quelle: epd http://www.epd.de/nord/nord_index_63997.html
Montag, 30. März 2009 - 09:31 Uhr
Die Nordkirche kommt
(WELT) VON EDGAR HASSE
Auch wenn die Nordkirche jetzt beschlossene Sache ist, bleiben viele kritische Fragen. Dazu gehört, dass das Ringen um den Bischoffsitz weiter geht. Hamburgs CDU kritisiert: Die Metropole rutsche in eine „südwestliche Peripherie" der künftigen Kirche. Zu klären ist neben der Frage nach dem Synodensitz auch, wie die Mitarbeiter bezahlt werden.
Die Nordkirche ist beschlossene Sache. Die drei Kirchenparlamente in Nordelbien, Mecklenburg und Pommern haben für die größte Kirchenfusion der Nachkriegsgeschichte am Wochenende grünes Licht gegeben. Zum 1. Januar 2012 soll die fünftgrößte evangelische Landeskirche in Deutschland mit rund 2,4 Millionen Mitgliedern Realität sein.
Doch die Debatte über den künftigen Sitz des Landesbischofs ist damit längst nicht vom Tisch. Zwar legt der Fusionsvertrag Schwerin als zentralen Amtssitz für den noch zu wählenden Landesbischof fest. Doch das nordelbische Kirchenparlament hatte am Wochenende überraschend den Beschluss gefasst, dass die Kieler Kirchenleitung bei den Verhandlungen Hamburg als Option für diesen einflussreichen Sitz offenhalten solle.
HAMBURG RUTSCHT IN "SÜDWESTLICHE PERIPHERIE"
Unterstützung erhält dieser Vorschlag jetzt von Wolfgang Beuß, CDU-Fraktionvize in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die Union unterstützt alle Versuche, den Sitz des Landesbischofs in die Metropole Hamburg zu verlegen“, sagte er WELT ONLINE. „Dafür spricht nicht nur die bessere Infrastruktur und Erreichbarkeit, sondern auch die Ökumene.“ Es sei schon erstaunlich, wie „vornehm, still und zurückhaltend“ Hamburg bei den bisherigen Fusionsgesprächen auf alles verzichtet habe. Nach dem derzeitigen Stand sei die Metropole in eine „südwestliche Peripherie“ gerutscht, kritisiert Beuß.
Auch der Altonaer Propst und „Cheftheologe“ der nordelbischen Kirche, Horst Gorski, räumt ein, dass manches dafür gesprochen hätte, den Sitz des Landesbischofs nach Hamburg zu verlegen. „Hamburg ist Metropole, Medienstadt und in vielen Vierteln ein Bewährungsfeld für die Kirche. Wenn die Verfassung der neuen Kirche erarbeitet wird, kommt das sicherlich noch einmal zur Sprache“, vermutet Gorski. Allerdings müsste die Entscheidung einvernehmlich mit „unseren Geschwistern in Mecklenburg und Pommern“ getroffen werden.
JEPSEN: VIELE KIRCHLICHE EINRICHTUNGEN IN DER STADT
Falls es mit dem Sitz des Landesbischofs nichts werden sollte – Hamburg könnte immerhin den Zuschlag erhalten, ständiger Sitz des neuen Kirchenparlaments zu werden. Doch Bischöfin Maria Jepsen mahnt zum gründlichen Abwägen. „Über weitere Standortfragen, etwa den Tagungsort der Synode, wird später entschieden“, sagte sie WELT ONLINE. Im Übrigen gehe sie davon aus, dass Hamburg und Lübeck eine große Gestaltungskraft in der neuen Kirche haben werden. „Wir haben viele wichtige kirchliche Einrichtungen in der Stadt“, betonte sie. „Das Pädagogisch-Theologische Institut, das Diakonische Werk, das künftige Medienwerk – all das wird sicherlich hier bleiben oder kommen“, so die Sprengelbischöfin.
Zu klären ist neben der Frage nach dem Synodensitz auch, wie die Mitarbeiter der Nordkirche bezahlt werden. Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der nordelbischen Kirchenleitung, kündigte an, dass in baldigen Gesprächen mit den Kirchenleitungen dafür geworben werde, für alle angestellten kirchlichen Mitarbeiter die Möglichkeit von gewerkschaftsbeteiligten Tarifverträgen anzupeilen. Während dies in Nordelbien Praxis ist, sitzen sich die beiden östlichen Kirchen noch ohne Arbeitnehmervertretung und spezielle Kommissionen ohne Gewerkschaften gegenüber.
Ansonsten aber überwiegt in Hamburg die Freude über die Synodenentscheidungen vom Wochenende. „Das ist ein großer und mutiger Schritt nach vorn“, sagte Johann Hinrich Claussen, Propst im Kirchenkreis Alt-Hamburg. „Die kritischen Debatten aber zeigen, dass noch viele Fragen beantwortet werden müssen.“ Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen erklärte: „Mich hat auf unserer Synode beeindruckt, dass eine solche Neugier da ist für den Osten. Ich empfehle allen Menschen in Hamburg und Schleswig-Holstein: Fahrt viel öfter nach Mecklenburg und Vorpommern und entdeckt die Gemeinsamkeiten!“ Der Altonaer Propst Horst Gorski sagte: „Mit der Entscheidung für die gemeinsame Nordkirche haben wir die zufälligen Grenzziehungen, wie sie uns mittelalterliche Fürstentümer und der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatten, überwunden und bauen eine Kirche nach den heutigen Herausforderungen.“
Der katholische Erzbischof Werner Thissen gratulierte den Protestanten zu ihrer Entscheidung. „Eine evangelische Kirche, die Gebiete der alten Bundesrepublik und der früheren DDR umfasst, kann und wird ihren Beitrag zur Weiterentwicklung der deutschen Einheit leisten“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Solche Beiträge würden nach wie vor gebraucht. Das Erzbistum Hamburg, zu dem die Hansestadt, Schleswig-Holstein und Mecklenburg gehören, erlebe das Miteinander von Ost und West jedenfalls als große Bereicherung
29. März 2009, 17:35 Uhr
Montag, 30. März 2009 - 09:29 Uhr
Synoden sagen "Ja" zur gemeinsamen Nordkirche
(NDR) Der Zusammenschluss der Kirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern zu einer gemeinsamen Nordkirche ist beschlossen: Die Synoden der drei evangelischen Landeskirchen stimmten am Sonnabend jeweils mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit dem Fusionsvertrag zu. Damit ist der Weg für die Wahl einer verfassunggebenden Synode und die Berufung einer gemeinsamen Kirchenleitung frei. Die Gründung der Nordkirche ist für 2012 geplant. Mit der Fusion entsteht die erste evangelische Landeskirche mit Gebieten in West- und Ostdeutschland.
Knappes Ergebnis in Mecklenburger Synode
Bei der Abstimmung der Synode Nordelbiens in Rendsburg wurde die Mehrheit für die Fusion mit 102 Ja-Stimmen erreicht. 128 Synodalen hatten ihre Stimme abgegeben, 26 stimmten mit Nein. In Züssow bei Greifswald votierten 44 Mitglieder des pommerschen Kirchenparlaments für den Fusionsvertrag, 13 dagegen. Eine Stimme war ungültig. Bei der Mecklenburger Synode in Plau am See fiel das Ergebnis knapp aus: 39 Mitglieder des Kirchenparlaments stimmten für den Fusionsvertrag, 17 dagegen.
"Die Eckpunkte stehen, aber es gibt ja noch Wunder"
Die Synodalen Nordelbiens hatten in Rendsburg bis zuletzt kontrovers diskutiert. "Es war ein großer Schritt nötig, um dieses große Ost-West-Projekt auf den Weg zu bringen", sagte der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich. Doch bereits kurz nach der Abstimmung für die gemeinsame Nordkirche kamen aus der ersten Reihe wieder mahnende Worte. "Wir müssen aufpassen, dass Hamburg und Lübeck stärker wahrgenommen werden", betonte die Bischöfin für Hamburg und Lübeck, Maria Jepsen. Damit spielte sie auf einen Beschluss der nordelbischen Synode an, sich in den weiteren Verhandlungen doch für Hamburg statt Schwerin als Sitz des Landesbischofs einzusetzen. "Die Eckpunkte stehen, aber es gibt ja noch Wunder."
"Argumente haben überzeugt"
Der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit dankte besonders der nordelbischen Landessynode, dass sie zugestimmt habe, obwohl sie damit nicht geringe Transferzahlungen in den Osten veranlasse. Er sei sehr froh, dass die Entscheidung für die Fusion bereits im ersten Anlauf gelungen sei. Trotz kontroverser Diskussionen und trotz aller Wehmut hätten die Argumente überzeugt. Allerdings sei diese Entscheidung noch nicht der letzte Schritt zur gemeinsamen Nordkirche. Auch für den Beschluss der Verfassung seien wieder Zweidrittel-Mehrheiten erforderlich. "Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor uns, damit sich alle mit dieser Verfassung und der neuen Landeskirche identifizieren können", erklärte Abromeit. Mecklenburgs Landesbischof Andreas von Maltzahn sagte: "Wir haben eine hohe Hürde genommen, es ist ein gutes Fundament für die weitere Arbeit."
"Zeichen für die Reformfähigkeit des deutschen Protestantismus"
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, begrüßte die Zustimmung zum Fusionsvertrag. Damit setzten die Synoden ein deutliches Zeichen für die Reformfähigkeit des deutschen Protestantismus, sagte Huber am Sonnabend in Berlin. Außerdem sei die Entscheidung ein beispielhafter kirchlicher Schritt für die konstruktive Aufnahme der unterschiedlichen Traditionen und Erfahrungen aus Ost und West. Diese Entwicklung begleite er mit "herzlichen Segenswünschen". Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der Münchener Landesbischof Johannes Friedrich, sagte, er danke den Verantwortlichen in den drei beteiligten Landeskirchen dafür, dass sie "zu so vielen Kompromissen" bereit seien.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) äußerte sich erfreut darüber, dass der Bischofssitz nach Schwerin kommen soll. "Das ist ein positives Signal für das Zusammenwachsen von Ost und West in der gemeinsamen Nordkirche", erklärte Sellering.
Strittig waren vor allem Standortfragen
Zur Debatte stand in den Landeskirchen ein Fusionsvertrag, den die Kirchenleitungen Anfang Februar unterzeichnet hatten. Bis zuletzt hatten Kritiker diverse Änderungseinträge eingebracht und die Fusion zu verhindern oder die Abstimmung zu vertagen versucht. Strittig in dem Fusionsprozess waren vor allem Standortfragen. Der Vertrag sieht Kiel als Ort des gemeinsamen Kirchenamtes und Schwerin als Sitz des Landesbischofs vor. Ursprünglich war für beide Organe Lübeck vorgesehen. In Hamburg, Schleswig und Greifswald wird es Bischöfe für die Kirchensprengel geben. Nun soll zunächst eine Verfassung ausgearbeitet und Ende 2011 die Fusion endgültig beschlossen werden.
Rund 2,4 Millionen Mitglieder
Die Nordkirche wird rund 2,4 Millionen Mitglieder haben, davon 2,1 Millionen in Nordelbien, 200.000 in Mecklenburg und knapp 100.000 in Pommern. Der Anteil der Protestanten an der Bevölkerung liegt bei 46 Prozent in Nordelbien sowie 18 beziehungsweise 19 Prozent in Mecklenburg und Vorpommern. Der Etat der Nordkirche wird bei rund 370 Millionen Euro pro Jahr liegen. Derzeit bekommen die Nordelbier 97 Prozent ihres Geldes aus Kirchensteuern. In Mecklenburg machen diese Steuern 40 Prozent der Einnahmen aus, in Vorpommern 31 Prozent.
Stand: 29.03.2009 15:05
Montag, 30. März 2009 - 09:23 Uhr
Nordelbien: 59% der Synodalen stimmen zu
(HA) Nordelbien hat den Fusionsvertrag zur Nordkirche in erster Lesung durchgewunken. Für den Vertrag votierten am Freitag Abend in Rendsburg aber nur 77 der 131 Synodalen (59 Prozent). In der entscheidenden zweiten Lesung, die am Sonnabend folgen soll, ist eine Zweidrittel-Mehrheit (66,6 Prozent) erforderlich.
Von Ulf Christen
Wie die Synode in Rendsburg stimmen dann auch die Kirchenparlamente in Plau am See (Mecklenburg) und Züssow (Pommern) über den Zusammenschluss der drei Landeskirchen ab. Der Fusionsvertrag bedarf auch hier einer Zwei-Drittel-Mehrheit.
Die Synode in Rendsburg beauftragte die nordelbische Kirchenleitung zugleich, in den weiteren Gesprächen zur Nordkirche (ab 2012) die Option offen zu halten, den Sitz des künftigen Landesbischofs in Hamburg anzusiedeln. „Das ist ein gutes Zeichen, dass Hamburg weiter im Blick ist“, sagte Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen dem Abendblatt. Laut Fusionsvertrag residiert der Landesbischof in Schwerin. In Hamburg, Schleswig und Greifswald sind Regionalbischöfe vorgesehen. Eine Vertagung der Nordkirchenfusion wurde abgelehnt.
In Rendsburg hatten sich zuvor viele Bedenkenträger zu Wort gemeldet. In Plau am See (Mecklenburg) war die Kritik am Fusionsvertrag noch heftiger, in Züssow (Pommern) eher verhalten.
Aktualisiert am 30. März 2009 um 8:36
Montag, 30. März 2009 - 09:22 Uhr
Fusion beschlossen: Die Nordkirche steht
Von Ulf Christen
(HA Hamburg/Schleswig-Holstein) segnete den Fusionsvertrag mit den Kirchen in Mecklenburg und Pommern am Sonnabend in Rendsburg mit 79,7 Prozent (102 von 128 Stimmen) ab. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit (66,7) wurde damit deutlich erreicht.
Mecklenburg stimmte dem Zusammenschluss in Plau am See am Sonnabend mit nur 69,6 Prozent (39 von 56 Stimmen) gerade eben zu, Pommern in Züssow mit 75,9 Prozent (44 von 58 Stimmen). Mit den Beschlüssen machten die drei Kirchenparlamente den Weg für eine neue Gesamtsynode frei. Sie soll eine Verfassung für die Nordkirche erarbeiten. Die erste große Ost-West-Kirche soll am 1. Januar 2012 starten, erstreckt von Sylt über Hamburg bis Usedom und hätte knapp 2,4 Millionen Mitglieder, davon gut zwei Millionen in Nordelbien.
Die Synode in Rendsburg beauftragte die nordelbische Kirchenleitung zugleich, in den weiteren Gesprächen zur Nordkirche (ab 2012) die Option offen zu halten, den Sitz des künftigen Landesbischofs in Hamburg anzusiedeln. „Das ist ein gutes Zeichen, dass Hamburg weiter im Blick ist“, sagte Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen dem Abendblatt. Laut Fusionsvertrag residiert der Landesbischof in Schwerin. In Hamburg, Schleswig und Greifswald sind Regionalbischöfe vorgesehen.
Die Bischofssitze seien im Fusionsvertrag zwar „Fixpunkte“, sagte Jepsen. „Aber es gibt ja auch Wunder.“ Wie Jepsen begrüßte der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich die Zustimmung zur Nordkirche. „Ich bin froh und dankbar, dass die nordelbische Synode das große Ost-West-Projekt befürwortet hat.“ Für die nur sehr knappe Zustimmung in Mecklenburg zeigte Ulrich Verständnis. Der Beschluss habe schließlich erhebliche Konsequenzen. „Mecklenburg hört auf als Landeskirche zu existieren“, erklärte der Vorsitzende der nordelbischen Kirchenleitung.
Die nordelbische Synode hatte am Freitag und Sonnabend mehr als zehn Stunden über die Nordkirche diskutiert und den Fusionsvertrag in erster Lesung (einfache Mehrheit erforderlich) mit nur 59 Prozent durchgewunken. Hauptkritikpunkte waren die Bischofsstandorte, die Mehrkosten für die nordelbischen Kirchenkreise sowie das Arbeitsrecht in der Nordkirche.
Aktualisiert am 30. März 2009 um 8:36