Wochenblatt Nr. 47 - 20. November 2008

250 Demonstranten gegen die Deponie

Pastor Michael Ostendorf

auf der Demonstration gegen den Schlickberg

„Ein Schlickberg ist kein Naherholungskonzept!“

Etwa 250 Billstedter nahmen am Freitag vergangener Woche – trotz Sturms und kalten Nieselregens – an einem „politischen Laternenumzug gegen die geplante Schlickdeponie an der Bille teil.

Auf dem Zug vom Billstedter Bahnhof durch Schiffbek und Öjendorf bis zum Kirchsteinbeker Marktplatz machten sie ihren Unmut über das Vorgehen der Hafenbehörde „Hamburg Port Authority“ (HPA) Luft, „Kein Schlick nach Billstedt und „Packt das Gift nicht vor unsere Haustür!“ war auf den T-Shirts und Transparenten der Bürgerinnen und Bürger zu lesen. Auf der Abschlusskundgebung forderten Johanna Vondey vom BUND Hamburg, Pastor Michael Ostendorf aus Mümmelmannsberg und Werner Dantziger von der Initiative „Kein Schlick in Billstedt“, Überlegungen anzustellen, wie Hamburg ohne weitere Schlickdeponie auskommen könnte. Und Fassen die wichtigsten Bedenken gegen das Projekt zusammen: Die geplante Schlickdeponie wäre die einzige Hamburger Schlickdeponie in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung und würde eine große ungestörte Biotopfläche vernichten. Das Altspülfeld sei mit Schadstoffen belastet, eine weitere Deponierung auf dieser Fläche wäre ein unkalkulierbares Risiko für das Grundwasser. Zusätzlicher Lärm durch die Anlieferung des Sclicks per Lkw sei der Bevölkerung in der Umgebung, die bereits durch die B5 beschallt wird, nicht zuzumuten. Nicht zuletzt: „Eine 38 Meter hohe Schlickdeponie ist kein Naherholungskonzept!“, erklärte Werner Dantziger, „Wir Billstedter möchten endlich von den Plänen der lebenswerten Stadt profitierten und das Motto „Schau nach Osten, da schaufeln wir den Müll hin“ nicht tatsächlich erleben. Hoffnung schöpfen die Aktiven aus einem Vortrag des Ingenieurs Dr. Norbert Greise im Kulturpalast. Er stelle ein Verfahren vor, mit dem der Hafenschlick nicht ausgebaggert sondern im Strom „schiffbar“ gemacht wird: Bevor sich Sand und Schwebstoffe am Flussgrund verfestigen, werden sie mit Hilfe einer speziellen Baggertechnik angesaugt, mit Sauerstoff angereichert und in aufgelockertem Zustand wieder dem Strom beigefügt. Schiffe können problemlos durch den so konditionierten Schlick fahren. Eine Trennung und Deponierung ist nicht mehr notwendig. Das Verfahren wird bereits in Emden, Bremerhaven, Antwerpen und Rotterdam erfolgreich angewendet und soll von HPA im Rethehafen getestet werden. Im Regionalausschuss Billstedt bezogen SPD, GAL und Linke mit einem Beschluss erneut klar Position gegen die Deponie. Man sehe in den Plänen „einen massiven Verstoß gegen alle Bemühungen der Aktiven Stadtteilentwicklung in Billstedt und Horn und eine deutliche Steigerung der Umweltbelastungen, denen Billstedt und Mümmelmannsberg durch die A1, die B5 und das Industriegebiet ohnehin schon ausgesetzt sind.“ Sie fordern daher die Einstellung der Planungen für die Giftschlickdeponie und „die Rückkehr zu einem verantwortungsvollen Handeln aller Beteiligten“ und wünschen sich „eine zügige Erschließung der etwa 42 Hektar großen Fläche als Naherholungsgebiet – ohne Schlick.“ “Der erhebliche Widerstand vor Ort darf von der Hafenbehörde nicht länger ignoriert werden“, meint GALier Michael Osterburg, „Die HPA hat eine Prüfung alternativer Standorte zugesagt. Doch tatsächlich hat sie sich bereits auf den Standort Kirchsteinbek festgelegt. Ein Ernsthaftes Eingehen auf die Belange der Anwohner sieht anders aus.