Wochenblatt Nr. 42 - 18. Oktober 2007
Podiumsdiskussion zur Hafenschlick-Deponie
„Wir dachten, wir tun dem Stadtteil etwas Gutes!“
Die in Kirchsteinbek geplante Deponie für belasteten Hafenschlick ist derzeit das wichtigste Thema im Hamburger Osten – dieses Fazit lässt sich nach der vom Bürgerverein ausgerichteten Podiumsdiskussion am Mittwoch vergangener Woche eindeutig ziehen. Mehr als 200 Menschen wollten hören, wie Hamburg Port-Authority (HPA) das Deponie-Projekt begründet und welche Argumente Stadtteil- und Umweltgruppen dagegen vorbringen – der Kulturpalast platze aus allen Nähten.
Die große öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema ist vor allem der emsigen Arbeit und guten Einbindung der „Arbeitsgruppe Schlick“ zu verdanken: Seit die HPA-Pläne, an der Bille bei Kirchsteinbek in den kommenden 20 Jahren drei Millionen Kubikmeter belastetes Baggergut zu lagen, Mitte 2006 bekannt wurden, haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger in die Materie eingearbeitet und breiten aktiven Protest organisiert. Mittlerweile, auch das eine Erkenntnis aus der Podiumsdiskussion, scheint man dies in der Hafenbehörde wahr zu nehmen: Mit Heinz Glindemann, erster Baudirektor bei HPA und als Bereichsleiter verantwortlich für den Strombau, ließ sich erstmals ein Spitzenmanager im Stadtteil blicken, um das Deponie-Projekt zu vertreten. Und konnte am Ende des Abends für sich immerhin einen Lernprozess verzeichnen: „Wir hatten tatsächlich gedacht, wir tun dem Stadtteil etwas Gutes. Jetzt habe ich verstanden, dass Sie die Deponie nicht wollen.“
Das aus Sicht von HPA „Gute“ an dem Projekt: Mit dem 38 Meter hohen Schlickberg würde das Altspülfeld Kirchsteinbek mit seinen zum Teil hoch mit Umweltgiften belasteten Böden, abgedeckt. Der entstehende Berg würde als öffentliche Grünanlage hergerichtet. Doch die wenigsten der Anwesenden zeigten Begeisterung für einen solchen Park in der weiten Zukunft. „Wir sind immer als Müllkippe der Stadt behandelt worden“, brachte ein Besucher die Stimmung auf den Punkt „Eine Müllkippe mit einer neuen zuzuschütten, das kann es doch wohl nicht sein.“ Auch Vertreter der Parteien nutzten die Gelegenheit, ihre Opposition gegen die HPA-Pläne zu erkünden.
Die Neuigkeit: Neben GAL und SPD nahm mit David Erkalp erstmals auch ein Sprecher der CDU Billstedt öffentlich Stellung. Nach langer interner Diskussion habe man sich entschlossen, „Wir sind dagegen!“ So blieben die Positionen der Planer und Gegner auch an diesem Abend unversöhnt nebeneinander stehen. Jedoch: Die Diskussion war – auch Dank der Moderation von Kerstin Michaelis und den eingeladenen Fachleuten – sachlich und faktenreich. Die Kritiker des Schlickberges haben ihren Anspruch an Information und Gehör erfolgreich gegenüber HPA und der Stadt geäußert.
Zwei weitere Resultate des Abends: Erstmals wurde, wenn auch von Seiten der HPA sehr zurückhaltend über mögliche Alternativen zur Deponierung in Kirchsteinbek gesprochen. Nämlich die Deponierung in Schleswig Holstein und die Nutzung von Hafenschlick als Baustoff. Und zweitens: Das Kirchsteinbeker Altspülfeld rückt, nachdem es 20 Jahre lang mit einem Mantel behördlichen Schweigens bedeckt war, wieder in den Fokus. Es stellt sich nun heraus, dass aus dem Gebiet weiterhin Umweltgifte austreten und Grundwasser und Bille bedrohen. „Sanieren sie das Spülfeld jetzt – und nicht in 20 Jahren. Das wäre ein Vorzeigeobjekt!“ forderte Maren Jonseck –Ohrt (BUND) von Heinz Glindemann und erntete dafür großen Applaus. Am Ende der Veranstaltung fand Bezirksamtsleiter Markus Schreiber ein Schlusswort, das die Stimmung im Saal zusammen fasste und in einen politischen Rahmen stellte: „Die Erwartung, die im Hamburger Osten mit dem Programm „Aktive Stadtteilentwicklung“ geweckt wurde, ist das Gegenteil von dem, was von HPA hier geplant wird. Möglicherweise ist dieser Widerspruch doch so groß, dass man zu der Auffassung kommen kann, dass eine grüne Wiese in Schleswig-Holstein der bessere Ort für die Deponie ist.“
