Bußtagsveranstaltung der EJH

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Sehr bewegt

Erinnern und Handeln

...mit meinem Gott überwinde ich Grenzen

Es war ein sehr bewegender Vormittag im ehemaligen KZ Neuengamme, das nun als Gedenkstätte eingerichtet ist. Pastorin Hose mit einer kleinen Gruppe aus Kirchsteinbek und Pastor Ostendorf mit einer Konfirmandengruppe aus Mümmelmannsberg nahmen an dieser Veranstaltung der Evangelischen Jugend Jugend (EJH) teil.

Arrestbunker

Arrestbunker

Ehemaliges Gebäude auf dem KZ Gelände (Quelle: Neuengamme)

In kleiner Gruppen wurden wir über das fast 75 ha große Gelände geschickt. Dabei gab es unterschiedliche Stationen, an denen ein mit einem weißen Regenschirm gekennzeichneter Posten stand. Unser Weg führte vom Eingang zum Fundament des Arrestbunkers, wo wir über die Entstehung des Lagers erzählt bekamen. Der kleine Arrestbunker gab einen ersten Eindruck über die Grausamkeit, mit der die Menschen dort behandelt worden sind. Dort wurden sie tagelang in Dunkelhaft eingesperrt. Manche wurden auf dem kleinen Gang aufgehängt. Später wurden bis zu 200 Menschen in die engen Zellen gedrängt und mit Nervengas getötet.

Arbeit als Vernichtung

Klinkerwerk

KZ-Häftlinge bei der Arbeit (Quelle: Neuengamme)

"Arbeit als Vernichtung" war die Parole der SS Mannschaften (SS=Schutzstaffel). Und so wurden die Menschen dort zur Arbeit gezwungen. Die Bedingungen waren alles andere als gut: Dünne Kleidung, wenig Essen, Hitze und Kälte, Krankheit und Gewalt. Über 100.000 Menschen waren in Neuengammen und den über 80 Außenlagern. Fast 50.000 Menschen sind hier gestorben.

Appellplatz

Appellplatz

Aquarell „Appelpladsen" des ehemaligen dänischen Häftlings Jens Martin Sørensen. Das Bild entstand um 1960 nach einer älteren Vorlage. (Frøslevlejrens Museum, Padborg. Quelle: Neuengamme)

Vorbei an den symbolisch durcfh zerbrochene Ziegel dargestellten Häftlingsbaraken, gingen wir zum Appellplatz. Die kalte Luft an diesem Tag ließ uns einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie es den Menschen hier gegangen sein muss. Um 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends wurden alles gezählt. Teilweise waren bis zu 14.000 Menschen im Lager. Wir konnten uns vorstellen, wie sie alle auf dem Platz standen und per Nummer kontrolliert worden sind. Lange hat das gedauert. Bei Wind und Wetter, Sonne und Hitze.

Verneigung vor den Opfern

Besonders beeindruckend war die stille Verneigung vor den Opfern, zu der wir durch Harald Fellechner angeregt worden sind.

Ausstellung im Haupthaus

Blick auf das Haupthaus

über den Appellplatz (Quelle: Neuengamme)

Von dort sind wir weitergezogen und haben einen Abstecher ins Haupthaus gemacht. Dort wollten wir uns etwas aufwärmen und die Ausstellung ansehen. Natürlich konnte das nur ein kleiner Teil sein, den wir gesehen haben. Dennoch waren wir alle tief bewegt, denn dort sahen wir, unter welchen Umständen die Menschen dort leben mussten. Bilder von Häftlingen und Berichte aber auch die Betten, Zäune und Kleidungsstücke ließen uns etwas von der Grausamkeit erahnen.

"SS Garage"

Dort haben wir etwas über die SS gehört und wieder den Geschichten in der Ausstellung zugehört. Erzählungen von Menschen, die neben dem KZ groß geowrden sind, und die berichtet haben, wie nah sie dabei waren. Sie hatten alles miterlebt. Einige hatte sogar persönliche Beziehungen zum Lagerpersonal. Der Bericht über Neugeborene, die sofort getötet wurden, war sehr schrecklich. Babies können nichts leisten. Ganz im Gegenteil: Sie mussten versorgt werden. Das hätte Arbeitskraft gekostet und war deshalb nicht lukrativ. Also wudern die Kinder getötet.

Ziegelwerk

Über mehrere Wege kamen wir dann zum Ziegelwerk, wo wir uns dann alle versammelt haben. Es gab Tee und Gemüsesuppe. Und einen gemeinsamen Gottesdienst zum Abschluss. Dort spielte dei Band "Kurz vor Hamburg", die auch den Gottesdienst musikalisch begleitet hat.

Mauer der Emotionen

In kleinen Gruppen haben wir (zu) kurz über das Erlebte gesprochen. Als Aufgabe sollten wir einen gemeinsamen Begriff finden, den wir dann auf die vier Seiten eines Pappkartons schreiben sollten. Unser Begriff war "Angst". Aus diesen Kartons wurde dann eine Mauer aufgestellt. Im Verlauf des Gottesdienstes wurde ein Stein entfernt. Dadurch sollte die Mauer symbolisch durchbrochen werden. Als Text wurde "Wer bin ich?" von Dietrich Bonhoeffer gelesen.

Wer bin ich (Dietrich Bonhoeffer)

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Dietrich Bonhoeffer

Bonhoeffer, Dietrich (1906-1945), deutscher evangelischer Theologe.

Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 als Sohn des Psychiaters Karl Bonhoeffer in Breslau (heute Wrocław, Polen) geboren und studierte Theologie in Tübingen und Berlin. Nachdem er 1928 bis 1929 als Vikar in einer deutschen Gemeinde in Barcelona gewirkt hatte, verbrachte er ein weiteres Studienjahr in New York und wurde 1931 Privatdozent für Theologie in Berlin. Sein Frühwerk Akt und Sein (1931) beschäftigt sich mit dem Wesen der Offenbarung und dem Einfluss der Transzendentalphilosophie auf die Theologie.

Als Gegner des nationalsozialistischen Regimes schloss sich Bonhoeffer nach der Machtergreifung 1933 der Bekennenden Kirche an. Zwischen 1933 und 1935 war er als Pfarrer in zwei deutschen Gemeinden in London tätig und wurde 1935 Leiter eines Predigerseminars der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (Pommern). 1936 wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen und das Seminar geschlossen. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges schloss sich Bonhoeffer dem politischen Widerstand gegen Hitler an. Im April 1943 wurde er in Berlin inhaftiert und am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.

Bonhoeffer bemühte sich sowohl um die Ökumene als auch um den Weltfrieden und versuchte das Christentum in der modernen Welt neu zu interpretieren. Nach Bonhoeffer erfordert die säkulare Welt ein radikales christliches Engagement. Er forderte eine nichtreligiöse Interpretation biblischer Texte und Begriffe. Seine bekanntesten Bücher sind Die Nachfolge (1937), Gemeinsames Leben (1939), Ethik (herausgegeben 1949) und das posthum veröffentlichte Werk Widerstand und Ergebung (1951).

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Pressespiegel Hamburger Abendblatt 2003
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