Auf ein Wort
Mehr Freiheit
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Mehr Freiheit“ – seit Anfang des Winters ist dieses Graffiti an einer Garagenwand in der Paul-Klee-Straße / Ecke Godenwind in Mümmelmannsberg zu finden. Gerahmt von zwei Strichfiguren, die durch ihre hochgestreckten Arme in Bewegung zu sein scheinen. „Mehr Freiheit“ ohne Punkt und Komma. Als ich erstmals an diesen zwei Worten vorbeikam, dachte ich, da fehlt doch irgendetwas. Soll mit diesem Graffiti eine Forderung zum Ausdruck gebracht werden? Ist es eine Parole für eine bessere Politik? Oder wird hier einfach ein Wunsch formuliert, eine Hoffnung? Mir macht es Freude, mich mit solchen Äußerungen zu beschäftigen, mich selbst anregen zu lassen und Gedankenanstößen nachzugehen. Mir fehlt das Ausrufungszeichen (!) - vielleicht auch die Nachdrücklichkeit.
Aber wie dem auch sei, dieses Graffiti ist für mich ein Kommentar zur gegenwärtigen gesellschaftlichen und persönlichen Gemütslage. Möglichkeiten werden immer eingeschränkter, Gelder gespart, Freiheiten reduziert. Der Blick in die Zukunft ist mit Angst besetzt.
Wie gut tun da diese beiden Strichmenschen, die den immer größer werdenden Zwängen und Abhängigkeiten „Mehr Freiheit“ entgegen rufen. Nun wissen wir nicht erst seit Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, dass Freiheit und Abhängigkeit in einem sich bedingenden Zusammenhang stehen. Aber vielleicht ist es gerade jetzt wieder notwendig, die Freiheit mehr zu betonen und sie nicht für ein vermeintliches Gefühl wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und emotionaler Sicherheit stückchenweise abzubauen. Um es mit Paulus zu sagen:
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal 5,1)
Ihr Pastor
Michael Ostendorf
