Weihnachten nur für Kirchenmitglieder?

Weihnachten nicht nur für Kirchenmitglieder!

Kirche: Weihnachten nicht nur für Kirchenmitglieder
Politiker-Vorschlag zu Heilig-Abend-Gottesdiensten "Blödsinn"

Frankfurt a.M/Stuttgart (epd). Der Vorschlag von Politikern aus CDU und FDP, Heiligabend-Gottesdienste vorrangig für Kirchenmitglieder zu öffnen, ist in der evangelischen Kirche als "großer Blödsinn" zurückgewiesen worden. Er sei "erschüttert, dass man einen solchen Gedanken nicht nur hegt, sondern auch noch öffentlich ausspricht", sagte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer, am Montag dem epd. Weitere evangelische Bischöfe betonten, dass die Gottesdienste zu Weihnachten ein Angebot für alle Menschen seien.
Das baden-württembergische CDU-Vorstandsmitglied Thomas Volk hatte der "Bild"-Zeitung vom Montag gesagt: "Ich bin dafür, dass Messen am 24. Dezember nur für Kirchensteuerzahler offen sind." Dies sei nötig, um Überfüllungen zu verhindern. Der Vorsitzende der Berliner FDP-Fraktion, Martin Lindner, plädierte für ein Sitzrecht für Kirchenmitglieder in Gottesdiensten am 24. Dezember.

»Siehe ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird", habe der Engel zu den Hirten am Weihnachtsabend (Lukas 2,10) gesprochen, erinnerte Bischof Fischer. "Er hat die Hirten laut dem biblischen Bericht nicht gefragt, ob sie auch brav ihre Tempelsteuer entrichtet haben." Die Verkündigung des Weihnachtsevangeliums sei also nicht an eine Bedingung geknüpft worden. "Daher halte ich den Vorschlag, nur Kirchensteuerzahlern den Weihnachtsgottesdienstbesuch zu gestatten, angesichts der frohen Botschaft, die allen Menschen gilt, schlicht für einen großen Blödsinn.«

Der württembergische evangelische Bischof Otfried July erklärte: »Wir feiern an Weihnachten kein Vereinsfest." Kirche sei kein geschlossener Verein. Gerade in der Weihnachtsgeschichte werde gesagt, "dass die frohe Botschaft des Evangeliums allem Volk gesagt werden soll". Wie die württembergische Landeskirche weiter mitteilte, erkauft man "sich mit der Kirchenmitgliedschaft keinen Sitzplatz am Heiligen Abend in der Kirche". Wem es an Heilig Abend zu voll sei, "ist herzlich eingeladen an den zahlreichen anderen Gottesdiensten in der Weihnachtszeit oder übers Jahr teil zu nehmen«.

Der mecklenburgische evangelische Landesbischof Andreas von Maltzahn betonte, gerade am Heiligen Abend seien auch Nicht-Christen in der Kirche willkommen. »Wie gläubig oder ungläubig man sich auch fühlen mag, wie innerlich zerrissen oder festlich gestimmt, für jede und jeden kommt Gott zur Welt", heißt es in seiner am Montag in Schwerin verbreiteten Weihnachtsbotschaft. (Quelle: epd)

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