Protestanten suchen Sitz für Landesbischof

Hat Hamburg eine Chance?

Vorbereitungen zur Fusion der Kirchen im Norden laufen. Vier Städte wollen Sitz der Superkirche werden.

Von Ulf B. Christen
Kiel - Die Protestanten in Nordelbien, Mecklenburg und Pommern wollen im Herbst ihre gemeinsame Nordkirche besiegeln. Umstritten ist jedoch der Sitz der Superkirche und ihres mächtigen Landesbischofs. Vier Städte hoffen auf den Zuschlag: Lübeck, Kiel, Hamburg und Schwerin. "Die drei Landeskirchen prüfen in einer Arbeitsgruppe alle vier Standorte", sagte der Präsident der nordelbischen Synode, Hans-Peter Strenge. Im April werde es ein erstes Votum geben, "eine Vorentscheidung". Welche Stadt die Nase vorn hat, könnte sich aber schon am Sonnabend abzeichnen, wenn die Synode in Rendsburg einen Zwischenbericht zu den Fusionsgesprächen erhält. An Diskussionsstoff mangelt es nicht, weil jeder der vier Standorte Vor- und Nachteile hat:

Hamburg: Die Metropole ist die wichtigste weltliche Stadt im Norden und bietet als Regierungssitz kurze Wege zur Politik. Vor Ort sitzt zudem die katholische Konkurrenz, das Erzbistum (Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg) mit drei Bischöfen. Ihnen steht bisher nur eine evangelische Bischöfin, Maria Jepsen, gegenüber. Gegen Hamburg spricht, dass die Luthereraner eine föderale Struktur favorisieren und eine Nordkirche eher ländlich geprägt ist.

Kiel: In der schleswig-holsteininischen Landeshauptstadt sitzt das mächtige nordelbische Kirchenamt. Ein Landesbischof hätte den direkten Zugriff auf die 150 Mitarbeiter der Verwaltung. Sie möchten nicht umziehen, könnten nach Hamburg und mit Abstrichen nach Lübeck pendeln, aber kaum nach Schwerin. Gegen Kiel, das bisher keinen Bischofssitz hat, spricht der geringe Stellenwert der Kirche in der alten und schmucklosen Marinestadt.
Lübeck: Die Hansestadt bietet schöne Backsteinkirchen, liegt im Zentrum der künftigen Nordkirche und an der Schnittstelle zwischen West und Ost. Bekäme sie den Landesbischof, könnten die mittelfristig geplanten drei Regionalbischöfe in Schleswig, Hamburg und Greifswald sitzen und so das gesamte Kirchengebiet abdecken. Die Hansestadt ist allerdings kein Regierungssitz und für Kirchenmitarbeiter aus Kiel schlechter erreichbar als Hamburg.

Schwerin: Die kleine Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns hat einen vergleichsweise ländlichen Charakter und entspricht so am ehesten dem Profil der Nordkirche. Ein Zuschlag für Schwerin wäre zugleich eine "Hommage" des großen Nordelbiens (2,1 Millionen Mitglieder) an die kleinen Schwesterkirchen in Mecklenburg (211 000) und Pommern (103 000). Gegen Schwerin spricht, dass die Nordkirche gleichsam aus der Diaspora geführt werden müsste und die Stadt verkehrlich schlechter zu erreichen ist als ihre Mitbewerber. (Quelle:Hamburger Abendblatt)¨îä

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