Mümmelmannsberg: Wieder Investor gescheitert

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Einkaufszentrum unterm Hammer

Im November wird der Komplex mit 39 Läden und 264 Wohnungen zwangsversteigert. Geschätzter Wert: 15 Millionen Euro.

HA; Von Axel Tiedemann - Drei zwölfgeschossige Hochhäuser, 264 Wohnungen und eine hochgelegte, offene Ladenzeile im ersten Stock mit 39 Geschäften - nach ihrem Bau 1974 galt das Zentrum von Mümmelmannberg als städtebauliches Vorzeigeprojekt. Doch das Herz des Stadtteils ist schon lange krank, vor vielen Läden hängen verwitterte Firmenschilder herunter, scharf weht der Wind durch die trostlose Passage. Sechs Investoren sind an dem Komplex mittlerweile schon gescheitert. Am 4. November soll die kombinierte Wohn- und Einkaufsanlage nun erneut zwangsversteigert werden. Komplett und in einem Stück! "Das Zentrum ist wie ein Stachel im Fleisch des Stadtteils", sagt Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD). Dass nun ein neuer, siebter Investor die wundersame Rettung bringt - daran glaubt Schreiber offensichtlich nicht mehr. Er fordert daher jetzt, dass die Stadt das Projekt übernimmt. Die städtische Wohnungsgesellschaft Saga-GWG müsse das seit Jahren marode Zentrum kaufen, wieder "fit machen" und dann verkaufen. Ein Modell, das sich nach Ansicht des Verwaltungschefs auch auf viele andere, kleinere aber ebenso marode Zentren in der Stadt übertragen ließe. "Alleine schaffen es Private nicht", so Schreiber. Zudem sei die Gefahr groß, dass die erfolgreiche Sanierung Mümmelmannsbergs unter dem maroden Zentrum leidet. Schreiber: "Der Stachel muss gezogen werden, damit sich die Entzündung nicht ausbreitet."

Markige Worte - dabei hatte der Bezirk noch 2004 große Hoffnung auf einen neuen Investor gesetzt: Das Unternehmen Janssen&Helbing aus Nordrhein-Westfalen hatte das Zentrum für 9,3 Millionen Euro ersteigert. Der Verkehrswert der 14 000 Quadratmeter großen Immobilie war seinerzeit auf rund 24 Millionen taxiert worden, heute liegt der Wert bei rund 15 Millionen.

Hochfliegende Pläne kündigten die seinerzeit sechsten Investoren an. Unter anderem sollten Penthouse-Wohnungen auf den Hochhäusern gebaut werden, und als optische Krönung sollte ein künstlicher Bach durch die Passage fließen. Doch bald schon ging Janssen&Helbing die Puste aus, seit Dezember 2006 steht der Komplex unter Zwangsverwaltung. Doch woran liegt es, dass bis heute niemand das ursprünglich von einer Hamburger Fonds-Gesellschaft gebaute Zentrum sanieren konnte? "Das war von Anfang an ohne große Erfolgsabsicht als Abschreibungsobjekt angelegt", sagt Wolfdietrich Thürnagel, der sich seit gut 30 Jahren im Stadtteilbüro Mümmelmannsberg engagiert. Als die Sparkasse rausging, "war das Ganze schlagartig leergefegt", so Thürnagel. Er hoffe nun auch auf ein Engagement von Stadt und Saga. "Sonst höre ich vielleicht nach 30 Jahren mit meiner Arbeit hier auf", sagt er. Für die Stadtplanerin Ursula Groß vom Bezirk Mitte ist das Zentrum indes von Anfang an städtebaulich falsch angelegt worden. Die Lage im ersten Stockwerk sei seinerzeit modern gewesen, habe aber später nirgendwo richtig funktioniert. Notwendig sei nun ein neues Konzept mit Saga-Beteiligung, mehr öffentliche Nutzungen und möglicherweise sogar ein "Teilabbruch".

Doch dass Stadt und Saga sich beteiligen, ist mehr als fraglich. "Wir kaufen nicht, werden aber darauf achten, dass ein starker Investor gefunden wird", heißt es etwa in der Stadtentwicklungsbehörde. Und auch Saga-Sprecher Mario Spitzmüller lehnt einen Kauf ab. Denkbar sei aber eine gemeinsame Betriebsgesellschaft mit Bezirk, Banken, Gläubigern und Eigentümern. Doch auch das dürfte schwierig werden: Beantragt hat die Zwangsversteigerung der Wiesbadener Finanzdienstleister Delta Lloyd, der 2004 den Kauf finanziert hatte und nun sein Geld zurückhaben möchte. Die Antwort aus Wiesbaden über die Hamburger Planspiele ist deutlich: "Wir finanzieren Immobilien, aber wir betreiben sie nicht", so eine Sprecherin.

(Quelle: Hamburger Abendblatt; 16.8.2008)