AfÖ...auf der Reeperbahn abends um sieben

Nordelbische PR-Zentrale "AfÖ" wird 50 Jahre alt

Von Klaus Merhof (epd). Auf der Reeperbahn abends um sieben versammelten sich Anfang der fünfziger Jahre jeden Monat wackere Hamburger Christen, um den Glauben zu verbreiten. Mitten im Rotlichtmilieu erklang das sechste Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen", begleitet von Posaunen und Trompeten der evangelischen Männerarbeit. Diese "Härtetests für die Frohe Botschaft" waren die Wurzeln der Kirchen-PR im Hamburg der Nachkriegszeit: Am 1. April 1958 wurde das kirchliche "Amt für Öffentlichkeitsdienst" (AfÖ) gegründet.

Das feine Clubhaus in der Feldbrunnenstraße im Hamburger Villenviertel Rotherbaum wurde in den folgenden Jahrzehnten zum
zentralen Treffpunkt für Themen des Glaubens und zum Dialog mit der Gesellschaft. AfÖ-Gründer und Männer-Pastor Waldemar Wilken machte das Haus zugleich zur Kreativschmiede in Sachen Kirchenwerbung aller Art.

Bis zu 450 Veranstaltungen fanden anfangs jährlich im AfÖ statt. Legendär wurden die "Theatergespräche" mit prominenten Gästen wie Hans Albers, Gustav Gründgens und Ida Ehre. Zu "Themen der Zeit" lassen sich Namen wie Konrad Adenauer, Max Brauer und Herbert Wehner in den Chroniken ebenso finden wie Rudolf Augstein, Henri Nannen, Helmut Thielicke und Heinrich Albertz.

Zugleich wurde der Dialog mit der Öffentlichkeit gesucht. Ein Fernsprech-Ansagedienst informierte regelmäßig über kirchliche
Veranstaltungen, die Medienzentrale des AfÖ stellte Kurz- und Dokumentarfilme zur Verfügung, der christliche Plakatdienst eroberte die Werbeflächen der Hamburger Unterwelt auf U-Bahnhöfen und in den Zügen.

Postkarten, Broschüren und Taschenbücher erzielten eine Millionenauflage. Ab 1968 erschien fast 30 Jahre lang das kostenlose
Verteilmagazin "Blickpunkt Kirche", dessen Einstellung 1997 aus Kostengründen der ehemalige Chefredakteur und AfÖ-Pastor Hinrich Westphal noch heute als "schwersten Fehler" bezeichnet. (epd) Hier mehr