Leben im Heiligen Land
Jerusalems Christen fühlen sich im Stich gelassen
Von Ulrike Putz, Jerusalem
(Quelle: SPIEGEL ONLINE - 26. November 2007, 11:10)
Der Einkaufsweg führt über die Via Dolorosa, die Grabeskirche grenzt ans Wohnzimmer. Doch die Nähe zu ihren heiligsten Stätten ist Jerusalems Christen kein Trost. Vereinsamt zwischen Juden und Muslimen suchen viele ihr Heil in der Flucht. Wer bleibt, lebt in Angst.
Jerusalem - Es gibt wenige Menschen, die an so biblischer Stätte leben wie Maher Nasraui. Der Felsen, auf dem Jesus am Kreuz gestorben sein soll, der leere Sarkophag, aus dem Christus auferstanden ist: Maher wohnt keine zwei Fußminuten von ihnen entfernt. Die Via Dolorosa, auf der Jesus seine Passion erleiden musste: Mahers Weg zum Olivenhändler, der gleich hinter der fünften Kreuzwegstation die besten Sorten in Öl verkauft. "Hier hat Simon von Kyrene Jesus geholfen, das Kreuz zu tragen", erläutert Maher vor der Steintafel mit der Nummer fünf. Jerusalems Christen kennen ihre Bibel.
Dass es wenige Menschen gibt, die an einem der wichtigsten Orte des Christentums leben wie die Nasrauis, ist eine Sache. Dass es immer weniger werden, ist "eine Tragödie", sagt Maher. Er sitzt im Wohnzimmer des Jerusalemer Altstadthäuschens, in dem er geboren wurde. Seine Mutter hält nebenan ein Mittagsschläfchen. Dass Maher Nasraui trotz seiner 40 Jahre noch zu Hause wohnt, ist ungewöhnlich. Dass er noch keine Frau gefunden hat, daran mag auch der Exodus der Jerusalemer Christen Schuld sein. Weiter auf Spiegel Online
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