In der Hauptstadt des Glaubens

Jerusalem

Von Harald Stutte
Jerusalem ist Wiege dreier Weltreligionen: Die Heiligtümer der Stadt trennen manchmal nur wenige hundert Meter Luftlinie. Doch es ist, als lägen sie auf verschiedenen Planeten. Ein Tag in der Stadt der Juden, der Christen und der Muslims

Jerusalem, Altstadt, morgens 9 Uhr. Absolute Stille liegt über dem Tempelberg. Es scheint, als schlafe die Stadt des Friedens, wie Jerusalem auch genannt wird, einen heiligen Rausch aus. Denn gestern, da war der Tag der religiösen Frömmler. Der Muslime, die dem Ruf des Muezzins der al-Aksa-Moschee folgten und zum Freitagsgebet auf den Tempelberg fluteten. Und der gläubigen Juden, die nach Sonnenuntergang zu Beginn des Sabbats an der Klagemauer gesungen, getanzt und gebetet haben.

Doch jetzt herrscht Totenstille, die nur vom "Tack-Tack" eines Hammers unterbrochen wird, dessen abgehackte Schläge über den östlichen Vorplatz des Felsendoms echoen. Der 53-jährige Mohammed Biadom wechselt beschädigte Steinplatten im Asphalt. Neben ihm sitzt der 35-jährige Assad Alkam. "Du kommst aus Deutschland? Ah, Hitler...", begrüßt er mich. Eine Anspielung, die Alkam, dessen mächtiger Bart verrät, dass er ein Mann Gottes ist, in einem wortlosen Lächeln münden lässt, dann wechselt er das Thema.

Ich möchte wissen, was es für die Männer bedeutet, an der Wiege dreier Weltreligionen zu arbeiten. Und wie es ist, jenes Pflaster zu bearbeiten, auf dem vor fast 2000 Jahren die entfesselte Soldateska des späteren römischen Kaisers Titus das größte Heiligtum der Juden zerstörte, den Tempel. Bis heute setzt kein gläubiger Jude seinen Fuß auf das Pflaster, aus Respekt vor der Unverletzbarkeit des Platzes. Mehr auf Spiegel-Online

2007
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